Es menschelt im Museum

Letzte Woche nahm ich an der ersten Veranstaltung in der neuen Reihe des lab.Bode! zum Thema Outreach teil.  Set #7: Outreach startete mit dem Vortrag „Outreach – Consequences – Courage“ von Christian Greco aus dem Museo Egizio in Turin. Der  engagierte Direktor des Museums ist passionierter Forscher und ein Menschenfreund. Von beiden Eigenschaften werden auch die Outreach Maßnahmen und Programme getragen. Sein Ziel ist es das Museum zu einem stärker partizipativen Museum zu machen, zu einem Museum, das für die Menschen eine Bedeutung hat. Ein weiteres Anliegen ist eine Kultur und Atmosphäre zu gestalten in der sich jeder willkommen fühlt

Um herauszufinden wie das gelingen kann hat das Museum Outreach Programme außerhalb und innerhalb des Museums gestartet.

„Wenn die Institution in die Nachbarschaft kommt gehört sie eher zum Leben der Menschen“, sagt Christian Greco.

Es stellte sich dann allerdings die Frage mit welcher Botschaft das Museum auf die Menschen zugehen wollte. Kernaufgaben des Museums sind unverrückbar, sagt Greco und dennoch müssen diese an die Gemeinschaft angebunden werden. Daher setzte der Direktor die Forschung in den Mittelpunkt der Outreach Programme mit dem Ziel diese für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Mit einem Gefängnis entwickelte sich eine Kooperation in der Forschung Bestandteil des Outreach Programmes wurde. Die Insassen fertigten Kopien in so hoher Qualität an, dass selbst die Kurator*innen überrascht waren. Die Anfertigung der Kopien hat weitere Forschungsfragen aufgeworfen, die ohne die Zusammenarbeit wohlmöglich nicht aufgekommen wären.

Dass sich darüberhinaus viele neue Verbindungen ergeben, wenn sich das Museum für neue Sichtweisen und Perspektiven öffnet und sich mit dem sozialen Umfeld auf vielfältige weise vernetzt, wurde anhand der zahlreichen Beispiele deutlich. So fand die erste Outreach Initiative in einem Kinderkrankenhaus statt und die Kinder wünschten sich Objekte. Eine Aufgabe die das Museum letztlich nur durch das sich zufällig mit dem Gefängnis ergebende Projekt lösen konnte.

Wie sehr Outreach mit dem aufrichtigen Interesse an den Menschen verbunden ist, wurde den gebannt lauschenden Zuhörer*innen in einer berührenden Erzählung deutlich. Da die Kinder teilweise schwerkrank und manche dem Tod nahe waren, haben die Kurator*innen, die regelmäßig ins Kinderkrankenhaus gingen es vermieden das Thema anzusprechen. Was angesichts einer Spezialisierung des Museums auf Ägyptologie und umfassenden Sammlungsstücken aus Gräbern nicht unbedingt einfach war. Es stellte sich heraus, dass die meisten Fragen der Kinder um den Tod kreisten.

Als Museumsmitarbeiter*in gibt man viel von seiner Persönlichkeit in die Beziehungen, die durch Outreach erwachsen. Nicht alle Mitarbeiter*innen sind dazu bereit. Dennoch betont der Direktor, dass es weniger ein Problem war das Personal für die Outreach Programme zu gewinnen, sondern die Politik. Mittlerweile ist Outreach als soziales Engagement fester Bestandteil im Finanzplan. Auch wenn sich das Engagement im Sinne der Statistik nur in sehr geringen Wachstumsraten von etwa 2,4 Prozent mehr „neuen“ Besucher*innen zeigt. 

Diese Zahl kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen und selbst in Großbritannien wo mit landesweiten Programmen über Jahre die Öffnung von Kulturinstitutionen für neue Besuchergruppen gefördert wurde sind ähnliche Werte bekannt.

Viele weitere Maßnahmen innerhalb des Museums waren darauf ausgerichtet Menschen anzusprechen, die bisher nicht zum Museumspublikum zählten. Dazu gehört das oben im Video zu sehende Projekt „Il mio Museo“ oder auch ein besonderes Angebot für die Arabisch-sprechende Community mit einem vergünstigten Eintritt. Für dieses Projekt wurde das Museum von einer rechtspopulistischen Partei öffentlich angefeindet, was in der New York Times aus Februar 2018 näher nachzulesen ist. 

Da ich nicht auf alle genannten Beispiele eingehen kann, möchte ich abschließend noch drei Zitate von Christian Greco wiedergeben, die den Sinn und Zweck von Outreach wunderbar auf den Punkt bringen.

„Wenn Du Teil der Gesellschaft sein willst musst Du in der Gesellschaft vernetzt sein mit den verschiedensten Gesellschaftsgruppen.“

„Wenn wir überleben wollen brauchen wir die Legitimation Bottom-Up.“

„Die Einbeziehung der Menschen ist keine Option, sondern eine Pflicht.“

Selbstverständlich sollten die Maßnahmen einen engen Bezug zur Sammlung haben. Wie das gelingt wurde in dem Vortrag deutlich. Deutlich wurde auch wie erfrischend es ist wenn ein Direktor frei von der Leber weg über Lessons Learned berichtet und Fehler offen anspricht. Dafür bot die Veranstaltung in der Reihe lab.Bode! den geeigneten Rahmen.

Die Pop-up-Opera der Komischen Oper Berlin

D-Zug Daisy Darlington macht mit »Ball im Savoy« Station am Berliner Hauptbahnhof. Dieses Mal war das Outreach Team der Komischen Oper Berlin mit Katharine Mehrling als Daisy Darlington an einem Ort, wo man Musiktheater ebenfalls nicht erwarten würde, nämlich am Berliner Hauptbahnhof.

Die Pop-up-Opera ist ein Baustein von Selam Opera, dem interkulturellen Outreach-Projekt der Komischen Oper Berlin, das sich in die vielfältige Stadtgesellschaft Berlins begibt und zum Mitmachen und zur Teilhabe einlädt. Diese Gelegenheit habe ich genutzt, um dem Leiter Mustafa Akça einige Fragen zu stellen.

Zuerst aber ein Einblick in die aktuelle Pop-up-Opera

Was motiviert euch zu eurer Outreach Arbeit?

Uns motiviert, Musiktheater anders als üblich zu vermitteln, zu verpacken und in die Stadt zu tragen, um zu schauen, wie die Menschen reagieren. Was passiert mit denen, die uns zuhören und zuschauen? Ihre Reaktionen in Form eines digitalen Daumen hoch oder Daumen runter interessieren uns genauso, wie die Veränderungen innerhalb unseres Haus und die Frage, wohin wir uns als Institution entwickeln.

Welchen Erfolg versprecht ihr euch davon?

Wir hoffen, dass wir Staub aufwirbeln, die Menschen uns als eine interessante, unbefangene Institution der Hochkultur sehen, die eine Brücke zur Gesellschaft schlägt. Wir wollen diese Menschen entweder als Zuschauer*innen oder Kolleg*innen langfristig für unser Haus gewinnen.

Wie setzt sich das Outreach-Team zusammen?

Musiker*innen des Orchesters und die Sänger*innen, die ansonsten auf unserer großen Bühne stehen. Und natürlich ein rundum sorgloses Team, um unsere Künstler*innen zu betreuen.

Wie ist die Resonanz? 

Außerhalb des Hauses ist die Resonanz durchweg positiv. Und intern wissen wir, wenn wir unsere gewohnte Umgebung, die große Bühne verlassen, um wieder irgendwo aufzupoppen, dass jedes Mal etwas nicht immer Kontrollierbares auf uns wartet. Nämlich die Großstadt.

Nichts ist schöner, als eingefahrene Muster aufzubrechen und Dinge anders zu machen als bisher. Unser Ansporn und die Motivation ist zu zeigen, dass es möglich ist, die heiligen Hallen der Oper zu verlassen und dass uns draußen mindestens ebenso viel Wertschätzung entgegengebracht wird wie im Haus.

Weshalb habt ihr euch für das Outreach-Format der Pop-up Opera entschieden?

Eine Stadt wie Berlin bietet einfach so viele unterschiedliche Kulissen und Möglichkeiten für Begegnungen zwischen dem, was wir machen, also Musiktheater, und den Menschen dieser Stadt. Das Format bedient die digitalen sozialen Medien. Es ist aber für diejenigen, die zufällig an Ort und Stelle sind, ein einmaliges Opern-Live-Erlebnis.

Außerdem ist die Pop-up-Opera eines von vielen Outreach-Projekten. Angefangen hat das Ganze mit unserem Operndolmuş.

Heute abend ist es soweit – Buchvorstellung im URBAN NATION MUSEUM FüR URBAN CONTEMPRORARY ART

Ganz besonders freuen uns auf unseren internationalen Gast aus dem Museum of Copenhagen. Jakob Ingemann Parby war von Anfang an mit Leidenschaft für das Thema Outreach dabei als das Museum of Copenhagen 2008 begann, seine Arbeit radikal zu demokratisieren. Er leitete das Outreach-Projekt „The Wall“, eine mobile, multimediale, interaktive Installation, die von 2010 – 2017 im Kopenhagener Stadtgebiet unterwegs war und ist nun verantwortlich für das neu entwickelte mobile Museum des Hauses. Als Teil der umfassenden Outreach-Strategie des Museums war zudem für Parby „citizen involvement“ zentraler Bestandteil für die Überarbeitung des Hauses im Zuge der bevorstehenden Neueröffnung an einem neuen Standort.

Unsere Buchpräsentation im Urban Nation Museum für Urban Contemprorary Art findet heute abend ab 18.30 Uhr in Kooperation mit der Stiftung Berliner Leben statt. Die Stiftung engagiert sich besonders für die Etablierung von Streetart und Urban Contemporary Art sowie für Projekte der kulturellen Bildung von Schülern. Dem Vorstand liegt unser Engagement in Sachen Outreach am Herzen. Dr. Hans-Michael Brey begrüßt Sie am Montag persönlich. Mehr über die Arbeit der Stiftung erfahren Sie hier. 

 

Für diejenigen, die es heute nicht schaffen, werden wir einen zusammenfassenden Blogbeitrag mit Fotos und Zitaten aus der Veranstaltung veröffentlichen. Hierfür schon einmal an dieser Stelle die Fotohinweise für die Veranstaltung:

Fotohinweise

Im Folgenden finden Sie ausführliche Fotohinweise entsprechend unseren Informationspflichten nach Artikel 13 und 14 DSGVO.

Im Rahmen der Veranstaltung behalten wir uns vor, Bild- und Tonaufnahmen von Veranstaltungsgästen, Podiumsteilnehmer*innen und dem Veranstaltungsort zu Zwecken der PR- und Öffentlichkeitsarbeit zu erstellen, zu verarbeiten und zu verbreiten, soweit im Einzelfall nicht widersprochen wird. Hierauf wird sowohl auf der Website der Veranstaltung im Rahmen des Blogs www.museum-outreach.de als auch an am Veranstaltungsort in geeigneter Weise hingewiesen.

Rechtsgrundlage ist dabei Art 6 Abs. 1 Lit. f DSGVO. Unser berechtigtes Interesse besteht darin, im Rahmen unserer PR- und Öffentlichkeitsarbeit über die Inhalte der Veranstaltung zu informieren und aufmerksam zu machen. Dies geschieht etwa in Form von Beiträgen und Fotogalerien auf der Webseite www.museum-outreach.de. Des Weiteren werden die angefertigten Bild- und Tonaufnahmen auch zur Darstellung der Veranstaltung auf den Social-Media-Kanälen, also insbesondere Facebook und Twitter eingesetzt.

Die im Rahmen der Veranstaltung erstellten Bild- und Tonaufnahmen werden im Rahmen unserer Pressearbeit zudem an Medienvertreter von Zeitungen sowie Rundfunksendern und Onlineredaktionen zur redaktionellen Berichterstattung weitergegeben. Auch den an der jeweiligen Veranstaltung beteiligten Partnerorganisationen oder -institutionen stellen wir Bild- und Tonmaterial zur individuellen Nachberichterstattung zur Verfügung.

Eine Beschreibung Ihrer Rechte als Betroffener finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Verantwortlich für die Erstellung, Speicherung und Verarbeitung der Bild- und Tonaufnahmen der Veranstaltung sind die Betreiberinnen von www.museum-outreach.de und der Veranstaltungsort.

Buchpräsentation: Museen und Outreach. Outreach als strategisches Diversity-Instrument

Wir präsentieren unser Buch „Museen und Outreach. Outreach als strategisches Diversity-Instrument“

Wo: URBAN NATION MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART in Kooperation mit der Stiftung Berliner Leben, Bülowstraße 7, 10783 Berlin, U-Bahn Nollendorfplatz

Wann: 29. Oktober 2018, 18.30 Uhr – 21.00 Uhr  

Kulturinstitutionen stehen vor wachsenden Herausforderungen: das klassische Kulturpublikum wird weniger, die nachwachsende Generation schrumpft und ist kaum interessiert. Gerade in Museen fehlt es an Diversität in der Besucherschaft, Programmgestaltung und bei den Mitarbeitenden.

Wie der erforderliche Kulturwandel erfolgreich umgesetzt werden kann machen wir in unserem kürzlich im Waxmann Verlag erschienenen Buch deutlich: Um neue, bisher distanzierte Besucher zu erreichen, erfordert es eine aktive, zielgerichtete Ansprache der Bevölkerung mit neuen Formaten und Konzepten. Es braucht neue Führungsprinzipien sowie neue Formen der Zusammenarbeit, die geprägt sind durch Kooperation, Kollaboration und Ko-Kreation. All das sind Qualitäten, die in einer Outreach-Strategie zum Ausdruck kommen.

In Kooperation mit der Stiftung Berliner Leben stellen wir unser Buch im Gespräch mit den im Buch Interviewten Vertreter*innen der Berliner Kulturinstitutionen Jüdisches Museum Berlin, Deutsches Symphonieorchester Berlin und Komische Oper Berlin vor und beantworten Fragen aus dem Publikum.

Sie sind herzlich eingeladen!

 

 

Outreach als strategisches Diversity-Instrument: Fortbildung im Germanischen Nationalmuseum

Bis zum 26. September sind noch Anmeldungen möglich für das Seminar am  Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zum Thema „Outreach als strategisches Diversity Instrument“ von Ivana Scharf

Beschreibung des Workshops:

Um neue Besucher*innen für Museen zu erreichen, ist eine aktive Ansprache der Bevölkerung mit neuen Formaten und Konzepten erforderlich, die Teil einer Outreach-Strategie sind. Welche Anforderungen ergeben sich dadurch in Bezug auf Führungskultur, Personalstrukturen und Arbeitsweisen? Wie können Kulturinstitutionen mit einer Outreach-Strategie und individuell entwickelten Programmen gezielt auf eine Diversifizierung der Besucherschaft und auf entsprechende Veränderungen der Organisationskultur hinwirken?

Ort:

Das Germanische Nationalmuseum ist das größte kulturhistorische Museum im deutschsprachigen Raum. Wie zahlreiche andere Kulturinstitutionen ist es mit der Aufgabe befasst, seine Sammlung einer diverseren, auch kulturell unterschiedlichen Besucherschaft zugänglich zu machen.

Teilnehmerkreis:

Die Fortbildung richtet sich spartenübergreifend an alle, die in der Kulturarbeit tätig sind. Die Teilnahme ist kostenfrei. Reise- sowie Übernachtungskosten müssen selbst getragen werden.

Referentin:

Ivana Scharf baute die erste Outreach-Abteilung in einem deutschen Museum auf. Kürzlich erschien ihr Buch Museen und Outreach. Outreach als strategisches Diversity-Instrument im Waxmann Verlag. Sie leitet die bundesweiten Netzwerkprojekte im Bereich kulturelle Bildung bei MUTIK.

Es hat sich viel getan – Die neuesten Outreach-Entwicklungen

Im Dezember 2016 haben wir den letzten Statusbericht zum Themenfeld Outreach in Museen  publiziert. Seitdem ist viel passiert: Weitere Stellen als Outreach-Kuratoren wurden an verschiedenen Museen ausgeschrieben, bundesweite Programme gestartet, innovative Modellprojekte entwickelt und Initiativen gegründet. Nicht zuletzt haben wir im letzten Jahr unser Wissen zum Themenfeld Museen und Outreach zusammengetragen, gesichtet, kategorisiert, ausgewertet, neu-kontextuiert und implizites Erfahrungswissen niedergeschrieben. Wir führten Interviews mit Experten aus ausgewählten internationalen Museen und erarbeiteten Empfehlungen. Dieses gesammelte Expertenwissen aus über zehn Jahren wissenschaftlicher und praktischer Beschäftigung mit dem Themenfeld ist im August 2018 im Waxmann-Verlag unter dem Titel „Museen und Outreach. Outreach als strategisches Diversity-Instrument“ erschienen.  Im Rahmen dieser Arbeit haben wir die seit 2010 bestehende Definition von Outreach weiterentwickelt:

„Outreach ist ein systematischer Prozess, bei dem die Kulturinstitution strategische Maßnahmen abteilungsübergreifend plant, durchführt und evaluiert, um Gesellschaftsgruppen einzubeziehen, die das Kulturangebot aus unterschiedlichen Gründen nicht eigeninitiativ wahrnehmen. Dieser Prozess bewirkt eine Veränderung in der Haltung der Institution, der Diversität des Personals, ihrer Programmgestaltung und Kommunikation. Ziel ist eine diversere, die Gesellschaft widerspiegelnde Besucherschaft“

Scharf/Wunderlich/Heisig 2017

Dieses systemische Verständnis von Outreach als Diversity-Instrument ist immer häufiger in Programmen, Modellprojekten, Initiativen und Stellenausschreibungen zu erkennen.

Zwei Ende 2017 im Rahmen von Modellprojekten ausgeschriebene Stellen zeigen ein Verständnis von Outreach als Instrument zur Veränderung der Organisationskultur in Museen. Bei den Modellprojekten handelt es sich einerseits um die „Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen“ der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin und andererseits um das Projekt TAMAM, ein Bildungsprojekt, in dem Moscheen mit dem Museum für Islamische Kunst Materialien für die Kulturelle Bildung entwickeln. Auf beide Projekte, deren Verständnis und die praktische Umsetzung von Outreach werden wir in ausführlicheren Beiträgen und Interviews in unseren nächsten Blogveröffentlichungen eingehen.

Die Kulturstiftung des Bundes hat neben der „Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen“  ein weiteres Programm entwickelt und 2018 gestartet, das Kultureinrichtungen dabei unterstützt, ihr Personal und ihr Publikum zu diversifizieren. Ausgangspunkt war der Gedanke, dass viele Kulturinstitutionen zwar bereits begonnen haben, die neue Stadtgesellschaft mitzugestalten, sich jedoch die kulturelle Diversität der Städte in den Programmangeboten, im Personal und im Publikum von Kultureinrichtungen noch nicht widerspiegelt. Weder in Entscheidungspositionen noch im Publikum entspricht der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte ihrem Anteil an der Bevölkerung.

Mit dem Programm „360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“unterstützt die Kulturstiftung des Bundes Institutionen aus den Sparten Kunst, Musik, Darstellende Künste, Literatur, Architektur, Neue Medien und verwandte Formen sowie spartenübergreifende Institutionen und kunst- und kulturhistorische Museen, die sich in ihrem Feld mit Fragen der Gegenwart befassen, die gesamte Gesellschaft in den Blick zu nehmen: Einwanderung und kulturelle Vielfalt sollen als ebenso chancenreiches wie kontroverses Zukunftsthema aktiv in das eigene Haus und in die Stadtgesellschaft getragen und strukturelle Ausschlüsse im Kulturbetrieb vermindert werden. Neben den beiden bundesweiten Programmen der Kulturstiftung des Bundes wurde im letzten Jahr die Initiative für Vermittlung und Outreach des Berliner Senats initiiert. Ziel der Initiative ist es, „dass der Kulturbereich im Programm, Personal und Publikum die Vielfalt der Stadtgesellschaft widerspiegelt. Entscheidend ist dabei, dass junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Wohnort, ihrem sozialen Status und ihrem Bildungshintergrund bereits frühzeitig die Möglichkeit erhalten, eigene Erfahrungen mit den vielfältigen Potentialen von Kunst und Kultur zu machen.“ Für die Stärkung der historisch-politischen Bildungsarbeit in Gedenkstätten werden im Rahmen der Initiative Vermittlung und Outreach Mittel in Höhe von 925.000 € jährlich zur Verfügung gestellt.

Im letzten Jahr wurden auch einige weitere Initiativen gegründet, deren Ziel es ist, Kulturinstitutionen dabei zu unterstützen, die gesellschaftliche Diversität auch in ihren Programmangeboten, im Personal und im Publikum zu implementieren. Beispielhaft stellen wir hier den „Kompetenzverbund Kulturelle Integration und Wissenstransfer“, kurz KIWit vor, der die Expertise der Bundesakademie Wolfenbüttel, des Bundesverbands Netzwerke von Migrantenorganisationen (NeMO), des Hauses der Kulturen der Welt, des netzwerk junge ohren und der Stiftung Genshagen vereint und im Herbst 2017 seine Arbeit aufgenommen hat.

»Die KIWit-Mitglieder betrachten Teilhabe an Kunst und Kultur als wichtigen Baustein einer zeitgemäßen Einwanderungsgesellschaft und wollen deshalb diversitätsbewusstes Handeln von Einzelakteur_innen und Institutionen fördern«

Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Direktorin der Bundesakademie Wolfenbüttel.

Ziel ist es, im kritischen Austausch von Kunstschaffenden und -vermittler*innen, Forscher*innen, Unternehmer*innen, Politiker*innen, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Kultureinrichtungen sowie Kulturadministration ein systematisches Konzept der Qualitätsentwicklung und -sicherung zu erarbeiten. Zentrale Fragestellungen sind unter anderem: Wie lässt sich Diversität in Kunst und Kultur fördern? Was braucht es zur Weiterentwicklung von institutionellen Strukturen und individuellen Handlungsweisen? KIWit möchte zudem bereits existierende Initiativen sichtbar machen und einen bundesweiten Austausch fördern. Dazu werden deutschlandweit Workshops, Fortbildungen, Dialogveranstaltungen und künstlerische Labors durchgeführt.

All diese Entwicklungen zeigen die wachsende Bedeutung von Outreach. Unsere Publikation „Museen und Outreach. Outreach als strategisches Diversity-Instrument“zeigt die Stärken von Outreach als strategischem Diversity-Instrument. Es liefert eine Definition von Outreach, entwirft einen Überblick über den Forschungsstand zur aktuellen demographischen und sozioökonomischen Situation des Museumspublikums, zeichnet die historische Entwicklung von Outreach im internationalen Zusammenhang nach und stellt dar, wie sich Outreach im Kontext von Audience Development, Sozialer Inklusion, Partizipation und Empowerment verortet. Für die Umsetzung in der eigenen Institution werden konkrete Handlungsempfehlungen zur Planung und Umsetzung einer Outreach-Strategie erläutert sowie Empfehlungen für kulturpolitische Rahmenbedingungen gegeben.

 

Outreach, Museen & Diversity

Eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben der Kulturinstitutionen besteht darin das Thema Diversity mit Leben zu füllen. Wie das gelingen kann? Das werden wir unter anderem beim stARTcamp Wien in der Kunsthalle Wien unter dem Motto „Engage Your Audience“ diskutieren.

Für mich stellt sich dabei vor allem die Frage: Wie gewinnt man Menschen, die bisher nicht zu den Besucher*innen zählen? Das ist keine neue Frage. Aber eine auf die es immer noch zu wenig gute Antworten gibt. Daher freue ich mich eine Session zum Thema Museen & Diversity – Outreach als strategisches Diversity Instrument anzubieten. Beim Reden soll es nicht bleiben und daher geht es schnell über zu konkreten Beispielen und Handlungsempfehlungen. Basis für die Präsentation ist der in Kürze im Waxmann Verlag erscheinende Titel: Museen & Outreach – Outreach als strategisches Diversity Instrument.

Panic! Soziale Mobilität in der Kultur

Panic! Social Class, Taste and Inequalities in the Creative Industries ist eine seit 2015 angelegte Studie in Groß Britannien, die basierend auf Interviews mit Beschäftigten in der Kreativwirtschaft und in der Kultur die strukturellen Hürden aufzeigt, die mehr Diversität verhindern. Demnach hat sich zwischen 1981 und 2011 die soziale Struktur der Beschäftigten in den Kreativberufen und in der Kultur nicht verändert. Das betrifft Beschäftigungen als Künstler*innen, Musiker*innen oder Schauspieler*innen genauso wie Anstellungen in Bibliotheken, Museen und Galerien. Hier sind diejenigen mit einer Herkunft aus Arbeiterfamilien stark unterrepräsentiert.

Ebenso spiegelt sich die Abwesenheit der Arbeiter*innen in der Kulturstatistik wieder. Die regelmäßige Teilhabe an Kunst- und Kulturveranstaltungen, das ist auch in Deutschland bekannt, gehört nur für eine Minderheit zum Lebensalltag selbstverständlich dazu. Die Autor*innen der Studie gehen weiter und untersuchen die Vorlieben und Interessen sowie die Netzwerke der Beschäftigten in der Kultur- und Kreativbranche und stellen hier viele Unterschiede fest. Es fehlen demnach wechselseitig Zugänge.

Kurz auf den Punkt gebracht: Akademiker*innen erreichen offenbar nur Akademiker*innen. Der gesamte Sektor bleibt überwiegend unter sich, sowohl was die Besetzung von Stellen angeht, beim Nachwuchs, in der Produktion als auch in der Rezeption.

In unserem bald erscheinenden Buch „Museen und Outreach – Outreach als strategisches Diversity Instrument“ gehen wir auf diese Aspekte ein und zeigen, wie durch eine strategische Implementierung von Outreach diese über lange Jahre verfestigten Strukturen aufgebrochen werden können.

Outreach in Theorie und Praxis

Dieser Blog bewegt sich im Spannungsfeld von Theorie und Praxis: einerseits möchten wir beispielhafte innovative Outreach-Strategien und -initiativen vorstellen, um das museale Praxisfeld zu inspirieren. Andererseits möchten wir den theoretischen Diskurs um Outreach als strategischen Ansatz mitgestalten. Outreach als strategisches Konzept wird in der Wissenschaft verstärkt diskutiert und es entstehen zunehmend mehr wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Aus diesem Grund haben wir eine neue Rubrik eingerichtet, in der wir ausgewählte Abschlussarbeiten zum Themenfeld veröffentlichen. Den Anfang macht die Arbeit „Outreachansätze im Museumsbereich – Chancen und Grenzen eines mobilen Vermittlungsprogrammes“ von Anna Maria Scharinger. Die Arbeit wurde im Juni 2009 bei Prof. Dr. phil. Oliver Rump und Ivana Scharf im Studiengang Museumskunde an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin eingereicht. Anna Maria Scharinger gibt einen Überblick über den damaligen Stand von Outreach-Programmen in Deutschland, zeigt die historische Entwicklung auf und unternimmt einen Definitionsversuch. Sie untersucht und vergleicht drei Outreach-Programme deutscher Museen und befasst sich mit den Chancen und Grenzen von Outreach im Museumsbereich. Die Arbeit ist in unserer neuen Rubrik Abschlussarbeiten veröffentlicht.