Wen spricht dieses Museum an?

Kürzlich besuchte ich in meiner Heimatstadt Wuppertal das Von der Heydt Museum. Ein städtisches Kunstmuseum mit einer herausragenden Sammlung. Die Finanzierung wird von Land, Kommune, einem Verein und privaten Stiftungen geleistet. Anlässlich des 100. Todestages von Edgar Degas und Auguste Rodin zeigt das Museum die Ausstellung mit dem Titel „Degas & Rodin – Giganten der Moderne“. Die Zusammenstellung der 270 Werke war in dieser Form noch nie zu sehen. Der Kurator hat sie zueinander in Beziehung gesetzt und die Ähnlichkeiten und Unterschiede herausgearbeitet.

Ich  kam in das Museum als regelmäßige Museumsbesucherin, mit meinem beruflichen Erfahrungswissen aus der Arbeit in einem renommierten Museum, dem Wissen aus mehreren Semestern Kunstgeschichte und mit überdurchschnittlichem Kunstinteresse. Als Kulturmanagerin interessiert mich vor allem die Perspektive der ungeübten Museumsbesucher. Aus der Sicht der Nichtbesucher betrat ich den Raum, fand zur Orientierung schnell die Kasse und die Garderobe. Der Weg zur Ausstellung erschloss sich mir nicht unmittelbar, da mehrere Räume gleichzeitig bespielt wurden. Ich folgte den anderen Besuchern. Am Eingang der Ausstellung wurde ich freundlich in Empfang genommen, den Beginn des Rundgangs zeigte man mir mit einer Geste an. Sodann führte mich ein Leitsystem chronologisch von Raum zu Raum. Die Texte waren in gut lesbarer Schriftgröße. Verstanden habe ich die Inhalte ohne Fremdwörterbuch und umfangreiches kunst- und kulturgeschichtliches Wissen jedoch nicht. Der begleitende 431-seitige Ausstellungskatalog hat mich sehr beeindruckt, aber nicht weniger ratlos zurückgelassen. Wieder zu Hause wollte ich mich auf der Website des Museums über das Begleitprogramm weiter informieren. Doch dieses wendete sich nicht an mich. Es klang eher nach einem Angebot für Kunstsammler, Kunstliebhaber oder Kunstkenner. Ich fühlte mich nicht angesprochen. Eher schon ausgeladen. Auf jeden Fall nicht eingeladen. Ich kam zu dem Schluss, dieses Museum gehört nicht zu meiner Welt.

Diese hier skizzierte Situation ereignet sich, wenn es überhaupt so weit kommt, dass ein Nichtbesucher die Museumsschwelle übertritt, in ähnlicher Weise erwartungsgemäß häufiger. Ganz sicher ist das nicht die Absicht der Ausstellungsmacher. Hier verdeutlicht sich die Etablierung einer bestimmten Qualität von Sozialbeziehungen. Demgegenüber fehlen Schritte zum Aufbau von Beziehungen zu anderen Besuchergruppen. Betrachtet man das Museum als ein gesellschaftliches Angebot einer Bildungsmöglichkeit, so erscheint die Erwartungshaltung im Hinblick auf die Vorbildung der Besucher recht hoch. Das Kunstmuseum ist in seinem eigenen System gefangen, mit der Grundannahme, dass Kunstrezeption nur unter bestimmten intellektuellen Bedingungen stattfinden kann. Es heißt, das Kulturpublikum sei ein Abiturpublikum. In diesem Fall wird sogar ein Akademikerpublikum angesprochen.

Erfreulicherweise sieht die Museumsszene sich zunehmend selbstkritischer. So betont Marion Ackermann, die seit kurzem die Staatliche Kunstsammlung Dresden leitet in einem Interview mit dem MDR: „Wir erreichen große Teile des Publikum der Gesellschaft nicht mit unseren Angeboten, sondern sind mit uns selbst beschäftigt und damit, unsere Marken als Museum auszubauen.“

Die Kunstsammlung NRW fragte in ihrem Symposium vom 18. bis 20. Januar: „Wem gehört das Museum?“ Mit dem Ziel herauszufinden wer die derzeitigen Besucher sind und wie eine diversere Besucherschaft angesprochen werden kann. Das Symposium wurde per Livestream auf dem Youtube Kanal der Kunstsammlung NRW übertragen.